Informatik und Computer   
 

Welche Maschine taugt für viele hundert, völlig verschiedene Aufgaben? Ein schweizer Taschenmesser? Eine Kombizange? Ein Elektromotor?  Das sind zumindest die drei häufigsten Antworten meiner Schüler (im Physikunterricht) auf diese Frage. Merkwürdigerweise nennen sie fast nie das erste echte Universal-Gerät der Menschheit, den Computer. Nicht wenige verbringen viele Stunden täglich vor ihm und mit ihm. Ob sie ihn nur sehr eingeschränkt verwenden, für Spiele und PowerPoint beispielsweise?

Damit sich dies wenigstens für einige Schüler ändert, versuche ich seit vielen Jahren im Rahmen des Hegau-Bodensee-Seminars und auch im Rahmen des Informatikunterrichts am Heirichs-Suso-Gymnasium in Konstanz die Faszination, die ein universell eingesetzter Computer ausüben kann, durch vielerlei Anwendungsbereiche der Informatik oder der Medien zu vermitteln.

Zu allen „faszinierenden“ Themen habe ich ein Skript für die Schüler erstellt. Einige Abschnitte und Kapitel darin sind auch von Schülern selbst geschrieben worden. Im Laufe der Jahre wurde vieles umgeschrieben, gestrichen oder ergänzt. Nicht alle Skripte und Materialien sind hier zum Download freigegeben. Das kann verschiedene Ursachen haben:

  • Das Skript ist noch nicht fertig
  • Die Informationen sind veraltet
  • Das Skript wird gerade überarbeitet
  • Es gibt viele gute Quellen dazu im Internet

Die vielen freigegebenen Materialien dürfen im Unterricht (mit Quellenangabe) eingesetzt werden.

Ursprünglich sollte die Überschrift „Computer: Zwischen Faszination und Frustration“ heißen. Dass die Frustration bei vielen Nutzern noch vor der Faszination kommt, ist durchaus verständlich. Die Erwartungen an das erste Universal-Gerät der Menschheit sind unerfüllbar, - zumindest nach dem heutigen Stand der Technik. Vorsichtig formuliert liegt hier ein grandioses Missverständnis vor. Manch einer würde auch sagen, die Computerkäufer werden bewusst falsch informiert. Sonst kämen sie nie auf die Idee, sich zum Beispiel alleine für den Videoschnitt einen Computer anzuschaffen.

Zwischen der Anschaffung des Geräts und der ersten Arbeit an einem Video liegen zumeist sehr viele Experimente, nicht selten nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Danach reift meist die Erkenntnis, dass man das Problem nicht selbst lösen kann. Was tun? Ein „Computerversteher“ muss her! Den hat eigentlich jeder in seinem Bekannten- oder Freundeskreis. Es erfolgt ein Anruf bei diesem. Die Uhrzeit oder der Wochentag spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. „Mein Computer geht irgendwie nicht!“ So lautet die millionenfach formulierte Aufforderung an den „Versteher“, sich doch bitte sofort dieses Problems anzunehmen. Ohne dieses Heer gutwilliger Helfer würden die meisten Heimcomputer funktionslos in der Ecke stehen.

Hat eigentlich schon jemand ausgerechnet, wie viele Millionen kostenlose Arbeitsstunden in Deutschland dafür verrichtet worden sind? Schuld daran ist nicht die Universal-Maschine Computer, sondern die Erwartung an sie. Um mit einem Drachen zu fliegen, bedarf es einiger theoretischer Kenntnisse. Daher steht die Theorie vor jedem Flugversuch. Nun ist ein Computerabsturz zwar nicht lebensgefährlich, - frustrierend ist er ab doch. Besonders dann, wenn danach sämtliche Familienfotos im digitalen Nirvana verschwunden sind. Dieses Unvermögen, mit den neuen Medien umzugehen, hat eine Ursache sicher, in der Bedeutungslosigkei des Fachs Informatik im Fächerkanon der Schulen. (Mehr dazu im Vorwort von Informatik)

Offensichtlich sagt dem stolzen Besitzers eines  nagelneuen Computers niemand, dass zur Nutzung des Gerätes umfassende Kenntnisse von Nöten sind! Hat der Computer-Novize eventuell gar vor, Filme zu schneiden oder Fernsehaufnahmen in Dolby-Digital-Sound auf eine DVD zu bannen, so hätte er sich wohl besser einen DVD-Rekorder gekauft. Maximal 60 Seiten Handbuch-Lektüre, um die 20 Knöpfe der Fernbedienung bedienen zu können, mehr ist dort nicht zu tun.

Natürlich wären dann keine weiteren Anwendungen mit dem DVD-Rekorder möglich. Kein Office, keine Bildbearbeitung, kein Internet, keine Multimedia, keine Musikbearbeitung, - die Negativ-Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Der DVD-Rekorder kann genau das, wofür er gebaut ist: DVDs erstellen! Ob der Rekorder ein Betriebssystem hat oder nicht, braucht den Nutzer nicht zu interessieren. Man muss keine Software installieren oder updaten. Und sollte das Gerät doch einmal hängen bleiben: Stecker raus- Stecker rein und alles geht wieder! Genau so sollte eigentlich auch ein Computer funktionieren, stimmt's?!?

Dass dies mit den heutigen Computern nicht klappen kann, ist leicht einzusehen: Zunächst muss man das Universal-Gerät ja auf die gewünschte Tätigkeit vorbereiten. In der Regel bedeutet dies, dass eine bestimmte Software installiert werden muss. Das kann gut gehen, wenn eine Standardaufgabe, wie Textverarbeitung geplant ist, -obgleich auch hier der Weg durch die unzähligen Entscheidungsfragen, die Aktivierung und Registrierung steinig sein kann. Soll der Rechner aber zum Beispiel als Synthesizer fungieren, so kann es schon einmal vorkommen, dass man in den tiefsten Tiefen des Betriebssystems „Hand anlegen“ muss. Es kann aber eben so gut sein, dass die „Audio-Card“, also ein Teil des Computers nicht kompatibel ist. Vielleicht hat noch nie einer diese Kombination getestet. Nun ist der Schraubenzieher gefragt…

So gesehen war mein zweijähriges Seminar PC intern vielleicht das wichtigste Thema. In jedem Fall hat es mir das Leben in allen folgenden Seminaren und auch in einigen Themen der Informatik leichter gemacht. Zwar ist die „Halbwertszeit“ im Bereich von Hard- und Software extrem kurz. Glücklicherweise spielt das aber keine Rolle: Wer einmal das Prinzip der Maschine Computer verstanden hat, kommt auch leicht mit neuen Architekturen und Betriebssystemen zurecht. Auch die Einschränkung auf PCs ist bedeutungslos. Heute können Betriebssysteme und Hardware nahezu perfekt virtualisiert werden. Welche Hardware und welches Betriebssystem man benutzt, ist von untergeordneter Bedeutung.

 

 






nach oben
    • www.ningelgen.eu •